In enger Zusammenarbeit mit dem Rehapro-Projekt „Service-Point Gesundheit und Arbeit“ der Jobcenter Hameln-Pyrmont, Landkreis Northeim, Holzminden und Kreis Siegen-Wittgenstein und Softdoor hat unser Team in den letzten Monaten die Potenzialanalyse grundlegend weiterentwickelt. Entstanden ist ein neues, KI-gestütztes Profil, das speziell auf die Bedürfnisse von Jobcentern und Bildungsträgern zugeschnitten ist.
Ein zentraler Bestandteil: PIA – die Prognose individueller Arbeits- und Ausbildungsmarktnähe. Sie ermöglicht eine datenbasierte Prognose und damit Clusterung der Menschen bezüglich der Arbeitsmarktnähe gemäß der Forderungen aus dem Beschlusstext des Koalitionsausschusses vom 09.10.2025. Es entsteht eine Einteilung in die Gruppen: Integration, Aktivierung und Stabilisierung. So entsteht ein umfassendes, realitätsnahes Bild der individuellen Ausgangssituation und die Möglichkeit die Betreuung entsprechend auszurichten.
Frage: Charlotte, welche psychologischen Überlegungen stecken hinter der neuen Profilstruktur?
„Unsere Potenzialanalyse erfasst seit jeher sehr zuverlässig zentrale Faktoren wie Motivation, Belastbarkeit und Veränderungsbereitschaft. Jetzt kommen ergänzende Informationen zu persönlichen Rahmenbedingungen, Qualifikationen und Leistungsfähigkeit hinzu – so wird unsere Prognose für diese Person einfach nur noch besser! Wir wissen nun bereits vor dem ersten Gespräch, welche Themen die Person beschäftigen, ob es beispielsweise die Gesundheit, die Kinderbetreuung oder fehlende Qualifikation ist.
Der Wegfinder ermöglicht, Menschen besonders schnell und zugleich sehr gut kennenzulernen und schafft damit die Grundlage für eine leichtere und passgenaue Begleitung.“
Charlotte (Psychologin)
Frage: Joost, welche Rolle spielt Datenintelligenz in diesem neuen Profil?
Joost: „Eine sehr zentrale. Wir haben die Datenarchitektur komplett neu aufgebaut, um qualitative und quantitative Informationen besser zu verbinden. PIA nutzt ein Modell, das Daten aus der Vergangenheit mit aktuellen Informationen kombiniert, um Prognosen zur Arbeits- und Ausbildungsmarktnähe zu erstellen. So erhalten Fachkräfte eine datenbasierte Unterstützung für ihre Entscheidungen. Wichtig war uns, dass die Modelle transparent und nachvollziehbar bleiben – für mehr Fairness im Integrationsprozess.
Frage: Und welche Rolle spielt künstliche Intelligenz dabei?
Die Integration von neuen KI-Komponenten in das bestehende System war anspruchsvoll. Wir haben eine modulare Architektur entwickelt, die Erweiterungen – etwa PIA oder Chatfunktionen – flexibel ermöglicht. Künstliche Intelligenz hilft uns, die Berichte individuell zu gestalten und aus einer Vielzahl an Daten eine einfache Zusammenfassung bereitzustellen. Datenschutz hatte dabei übrigens oberste Priorität – wir arbeiten schließlich mit sensiblen Daten. Unser Ziel ist es, Technologie als Unterstützung, nicht als Hürde zu gestalten.“
Joost (Data Science)
Frage: Sorin,welche Entwicklungen sind für 2026 geplant?
Wir entwickeln den Wegfinder stetig weiter. Er ist bereits seit Sommer im Einsatz, aber im kommenden Jahr wird es weitere Funktionen geben. Innerhalb des Mobilitätsradius des Kunden werden offene Arbeits- und Ausbildungsstellen sowie passende Maßnahmen und Qualifizierungsprogramme erfasst. Diese Informationen ermöglichen dem Wegfinder, einen umfassenden Überblick über relevante Möglichkeiten zu erstellen. Auf dieser Basis kann er gezielte und umsetzbare Handlungsempfehlungen formulieren. Coaches erhalten dadurch klare, datenbasierte Hinweise zur weiteren Unterstützung des Kunden.
Sorin (Software Development)
Frage: Vanessa, was waren die größten technischen Herausforderungen bei der Umsetzung?
Vanessa: „Besonders spannend war die Entwicklung der neuen Chatoberfläche: Sie liefert direkte Rückmeldungen aus den Analysen und verbessert die Nutzung deutlich. Gleichzeitig eröffnen die neuen Chatfunktionen – von smarter Kontextverarbeitung bis hin zu intuitiveren Interaktionen – ganz andere Möglichkeiten im Dialog. Aus Sicht von Marketing und Design ist es faszinierend zu sehen, wie technische Finesse und nutzerzentrierte Gestaltung hier ineinandergreifen. So entsteht ein Erlebnis, das nicht nur funktional überzeugt, sondern auch emotional begeistert.“
Vanessa (Marketing & Design)
Mit dem Wegfinder verknüpfen wir Psychologie, Datenanalyse und Softwareentwicklung zu einem zukunftsorientierten Werkzeug für Jobcenter und Bildungsträger.
„So können wir Beratende gezielter unterstützen – und Arbeitssuchende finden schneller ihren passenden Weg“, sagt Ludwijn Braams, Geschäftsführer von L&D Support.
Der Wegfinder wird seit August 2025 in mehreren Jobcentern eingesetzt und die Nachfrage ist groß. Interessierte Jobcenter und Träger erhalten auf Wunsch weitere Informationen zum Wegfinder. Frei nach dem Motto: wir finden den Weg gemeinsam.
Integrationsfachkräfte und das Fallmanagement im Jobcenter sowie Beratende und Coaches bei Trägern leisten tagtäglich anspruchsvolle Arbeit. Die Gespräche mit Leistungsberechtigten bringen oft eine Vielzahl an Themen mit sich – von beruflichen Perspektiven über gesundheitliche Fragen bis hin zu individuellen Belastungen. All das muss oft in wenigen Terminen sortiert, verstanden und in eine gemeinsame Richtung geführt werden. Gerade bei steigenden Fallzahlen ist diese Aufgabe kaum zu bewältigen. Optional: Das begleitende Bild zeigt eindrücklich, wie viele Aspekte gleichzeitig im Blick behalten werden müssen.

Der WEGFINDER unterstützt die Beratungsarbeit indem er eine große Anzahl an relevanten Themen bei den Leistungsberechtigten abfragt, sortiert und eine klare Handlungsempfehlung ausspricht. So kann erst einmal viel Zeit gespart werden, weil es weniger Termine braucht, um eine Person kennenzulernen. Zusätzlich können Beratende sich auf objektive Daten stützen und mit den Leistungsberechtigten verlässlich eine Beratungsrichtung einschlagen: Entweder direkt eine Integration auf dem Arbeitsmarkt anstreben oder passende, aktivierende Elemente auswählen oder stabilisierende Unterstützung anbieten.